Die Geschichte des Skiclub Kandel
Am Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts hatten viele Menschen – insbesondere die Bewohner der Städte – das Bedürfnis, in der Freizeit die Natur zu erleben.
Im Winter war das aber oft durch hohen Schnee erschwert oder gar unmöglich. Selbst notwendige Wege wurden vermieden, da dies eine zu große Schinderei gewesen wäre.
Dies änderte sich, als der Ski als Fortbewegungsmittel bekannt wurde. Er ermöglichte das Laufen auch bei tiefem Schnee und das machte nebenbei noch Spaß. Vor allem Studenten und ihre Lehrer begeisterten sich für den Skilauf und entwickelten daraus eine neue Sportart.
Man gründete nun Skivereine, um die winterliche Landschaft gemeinsam erleben zu können.
Der im Jahre 1895 gegründete Ski-Club Schwarzwald warb mit alljährlichen Wettkämpfen für den Skilauf und konnte vier Waldkircher so begeistern, dass sie noch am Tag der Wettkämpfe, dem 2. Februar 1901, die Ortsgruppe Waldkirch mit 12 Mitgliedern beim Hauptvorstand anmeldeten. Bei den 4 Gründern handelte es sich um die Herren Fabrikant Genthe, Oberamtsrichter Stegmüller, Rechtspraktikant Stromeier und Referendar Dr. Fritz.
In der ersten Generalversammlung am 27. Februar des gleichen Jahres wurde als Hauptzweck des Clubs „ die möglichste Verbreitung des Skilaufen als Verkehrsmittel unter der Schwarzwaldbevölkerung“ festgelegt.
Der Verein wuchs kontinuierlich. Aus einem reinen Herrenclub wurde eine Gemeinschaft, der sich – zwar nur zögerlich – auch Frauen anschlossen. 1905 trat Melanie Tritscheller als erste Frau und 30. Mitglied dem Verein bei.
1911 änderte sich zum ersten Mal der Name: aus dem Skiclub Kandel wurde der Ski-Bob-Club Kandel. Wilhelm Seifried (Kunstmühlenbesitzer), Ernst Schleifer (Dentist) , Ernst Trenkle (Gerbermeister) und man glaubt es kaum, Melanie Tritscheller gründete die "Section Kandel" des 1. Badischen Bobsleighclubs. Alfred Schopferer ( Wagnermeister) war es, in dessen Werkstatt in der Hebelstraße der erste steuerbare Bob mit pendelnden Läufern entstand. Mit ihm zusammen gewann die Mannschaft 1911 in Triberg alle Rennen und die damit verbundenen Pokale. Triberg galt zu dieser Zeit als deutsches St. Moritz.
Die Mitgliederzahl war jetzt auf 73 angestiegen.
Nach einem Rückgang in der Zeit des ersten Weltkriegs waren es im Jahr 1923 schon 353 Mitglieder.
Nach dem letzten Krieg – die Mitgliederzahl war auf 200 gesunken – wuchs der Skiclub kontinuierlich auf über 1000 Mitglieder. Die heutige Mitgliederzahl hat sich nach einer Serie von schneearmen Wintern bei etwa 950 stabilisiert.
Ende der sechziger Jahre verschwisterte der Skiclub Kandel sich mit dem Skiclub Schlettstadt. Der erste freundschaftliche Skiwettkampf fand 1968 auf dem Schnepfenried in den Vogesen statt. Im nächsten Jahr wechselte man auf den Kandel. Inzwischen ist die Freundschaft zwischen beiden Clubs und ihren Mitgliedern gewachsen. Man hat sich in den folgenden Jahren bis heute jedes Jahr ein paar Mal getroffen und ist miteinander Ski gefahren, gewandert, Rad und Mountainbike gefahren und gemütlich zusammen gesessen.
Gegenüber allen wintersportlichen Entwicklungen hat sich der Club während der hundert Jahre seines Bestehens immer offen gezeigt. Das sieht man auch daran, dass seine Skischule heute nicht nur im traditionellen Skifahren unterrichtet, sondern auch Carving-Skikurse und Snowboardkurse gibt.
Am 19. und 20. Januar 2001 feiert der Skiclub sein hundertjähriges Bestehen mit einem Festakt und einem großen Jubiläumsabend. Grund genug, einen Rückblick zu halten über die Vereinsgeschichte, die gleichzeitig auch die Geschichte des Skisports im Schwarzwald ist.
Vorbereiten auf dieses Ereignis soll eine Bilderausstellung in der Volksbank sowie eine Artikelreihe über den Skiclub in unserer Zeitung. Außerdem werden in einigen Geschäften der Werbegemeinschaft Dekorationen auf die Feier einstimmen.
100 Jahre Skiclub Kandel
Ein Verein blickt zurück.
Im Januar 2001 feiert der Skiclub sein hundertjähriges Bestehen mit einem Festakt und einem großen Jubiläumsabend. Grund genug, einen Rückblick über die Vereinsgeschichte zu halten, die gleichzeitig auch die Geschichte des Skisports im Schwarzwald ist.
Wie kam der Skilauf in den Schwarzwald?
Es dauerte erstaunlich lange bis der Ski seinen Weg nach Mitteleuropa und damit in den Schwarzwald fand. In Skandinavien, Russland und Sibirien wurde der Ski schon vor tausenden von Jahren benutzt . Dies belegen Skifunde, die über 4000 Jahre alt sind und auch eine Zeichnung, die man in einer Höhle in Norwegen gefunden hat. Sie zeigt einen Menschen auf Skiern mit Hasenohren und Wurfholz. (Alter: ca. 4500-5000 Jahre).
In einem Moor bei Hoting in Schweden wurde ein Ski ausgegraben, dessen Alter auf ca. 4500 Jahre geschätzt wird.
Der Isländer Snorre Sturlason (1179-1241) bestätigt in seinen Sagen über die norwegischen Könige, dass Skier schon lange vor seiner Zeit im Winter übliches Fortbewegungsmittel waren. Auch berichtet er, dass die Samen (eigener Name der Lappen) fähige Skiläufer waren.
Ein Bild von einer norwegischen Militärübung im Jahre 1797 zeigt, dass die Fortbewegung auf Ski in Skandinavien um diese Zeit bereits etwas Alltägliches war.
Im neunzehnten Jahrhundert waren folgende Ereignisse für die Entwicklung des Skilaufs in Norwegen wichtig:
1843: hört man erstmals von einem "Preisrennen" in Tromsø,
1865: erscheint das erste "Buch über den Skilauf",
1877: wird der erste Skiklub in Norwegen gegründet,
1888: Fridtjof Nansen durchquert Grönland auf Ski
1891: Nansens Buch über diese große Skifahrt erscheint.
Dieses Buch machte die ganze Welt und damit auch die Schwarzwälder auf das Gerät Ski aufmerksam.
Der erste, der den Feldberg auf Skiern bestieg – im Jahre 1891 – hatte den Skilauf in Norwegen erlernt. Es war der französische Konsulatssekretär Dr. Pilet. Im gleichen Jahr schon gab er Skikurse auf dem Feldberg.
1891 wurde der älteste Schwarzwälder Club, der Skiclub Todtnau, aus der Taufe gehoben.
1895 ging der Skiclub Schwarzwald aus dem Skiclub Todtnau hervor.
Bei einer der jährlichen Veranstaltungen des Skiclubs Schwarzwald, den Schneeschuhwettläufen am 2. und 3. Februar 1901 beschlossen – wie bereits berichtet – die vier Waldkircher Teilnehmer die Gründung eines eigenen Vereins – das war der Beginn des Skisports auf dem Kandel.
Der Skisport auf dem Kandel?
Zu Beginn des Skilaufs am Kandel ist man – wie am Feldberg – auf den Skiern hauptsächlich Touren gelaufen. Das Traumziel vieler Skisportler war es jedoch, zu springen, wie es damals nur die Norweger konnten. Erst später kam das Abfahren dazu.
Man benutzte für Langlauf, Sprunglauf und Abfahrtslauf ein- und dieselben Ski und man fuhr nicht nur oben auf dem Kandel, sondern auch im Tal: auf den Flotzwandmatten, im Dettenbach beim Öhlebur, am Heldenkreuz in Waldkirch (Schindelmacher-Bergle) sowie in Siensbach.
Oben auf dem Kandel tummelten sich die Skiläufer an fast allen Hängen, auch solchen, die heute wieder zu Wald geworden sind.
Das Springen auf dem Kandel spielte sich in erster Linie am „Steilhängle“ gegenüber des jetzigen unteren Parkplatzes ab. Hier entstand schon 1920 ein Sprunghügel. 1931 entsteht in Zusammenarbeit der vier Ortsgruppen Lahr, Emmendingen, St. Peter und Waldkirch ein hölzerner Anlaufturm, der Weiten bis 23 Meter ermöglicht. Zu Beginn des 2. Weltkriegs war der Sprungturm baufällig geworden. Der Kandelbauer hatte Interesse am Holz und man überließ ihm den Turm zum Abriss.
1942 wurde unter der Leitung und nach Plänen von Oskar Walter ein neuer kleiner Sprunghügel erstellt.
Schon früh gab es Langlaufwettbewerbe auf dem Kandel. So berichtet Paul Wintermantel im Jahre 1921 folgendes:
„Nach dem Frühstück, bekannt reichlich & gut, gingen wir die Langlaufstrecke entlang. Rasthaus, Pyramide, Richtung Kaibeloch, dann nach dem Kandelrücken & wieder zum Rasthaus. Sie war ziemlich beschwerlich, da mehr Steigung in der Lauffläche wie Abfahrt.“
Vor dem 2. Weltkrieg war insbesondere Otto Bender „der Langläufer“ des Skiclub Kandel gewesen.
Mitte der 50er Jahre gab es einen Aufschwung mit Läufern wie Franzsepp Haberstroh, Karl Haberstroh und später Manfred Spindler.
Einen weiteren Aufschwung erlebte der Langlauf mit Eröffnung der Kandelloipe im Jahre 1973.
Wenn es die Schneeverhältnisse zuließen, nahm man früher wie heute die Gelegenheit war, um von ganz oben bis ganz unten ins Tal zu fahren. Bei ausreichender Schneelage fuhr man am Sonntagabend regelmäßig vom Kandel in den Altersbach. Nach Skifesten gab es in Waldkirch auch oft im Städtle einen Empfang. So berichtet Paul Wintermantel im Jahre 1921: „Endlich eine gemeinsame Fahrstraßen-Abfahrt. Sammeln an der Zehntenscheune & Lampionzug mit Mandolinenklub voraus durch die Stadt nach dem Rebstock. Hier Preisverteilung“.
Es gab den Serpentinen-Abfahrtslauf und auch das „Misthufe-Renne“, welches am Misthaufen des Hotels startete und über die Serpentinen und den Rotwasserweg bis zum Misthaufen im Altersbach führte.
Eine wichtige Rolle spielte der Hang auf der Nordseite, der zunächst „Heß-Hang“ hieß. Im Jahre 1934 hatte sich hauptsächlich der Gewerbelehrer Heß mit dem Gedanken beschäftigt, durch Aushieb auf der Kandelnordseite einen anspruchsvolleren Skihang zu erhalten.
Die Stadt Waldkirch stand dem Vorhaben positiv gegenüber und übernahm das Fällen der Bäume und das Sprengen von Felsen.
Im April 1947 wurde der Hang durch weiteren Aushieb verlängert. Er galt nun als einer der großen Torlaufhänge im Schwarzwald.
Es fanden hier hochklassige Skirennen statt. Der Große Kandeltorlauf, 1948 zum ersten Mal durchgeführt, galt als das schwerste Rennen im Schwarzwald und zog bekannte Skifahrer wie den Deutschen Slalommeister Klein und Spitzenläufer aus der Schweiz und Frankreich an.
In den sechziger Jahren wurden nochmals einige Felsen durch Sprengung beseitigt.
In den letzten Jahrzehnten tummelten sich die Skiläufer fast ausschließlich an den Lifthängen: oberhalb des Kandelhotels, im Kaibeloch und am Schwarzmooshang.
Alpenausfahrten im Winter
Schon früh – nämlich schon in den Jahren1936, 37, 38 und 39 führte der Skiclub Kandel seine erste Winterausfahrt in die Alpen durch. Es ging nach Stuben am Arlberg.
In Ermangelung an Skiliften machte man Skitouren – z.B. auf die Ulmer Hütte.
Heute werden immer noch gemeinsame Ausfahrten in die winterlichen Alpen unternommen, sowohl für Normalskifahrer, als auch für alpine Tourengeher.
Alpenausfahrten im Sommer
Die Verbundenheit mit den Bergen ließ den Skiclub auch im Sommer nicht ruhen. Man führte erstmals im Jahre 1953 die erste Sommerbergfahrt durch, die mittlerweile zur Tradition geworden ist.
Die Zahl der Teilnehmer war oft sehr groß. Nicht alle hatten immer die gleichen Ambitionen, die gleiche Bergerfahrung und Kondition. Deshalb teilte man sich in bis zu 3 Gruppen auf :
Die erste Gruppe, „Talsohle“ genannt, machte Wanderungen – nicht nur im Tal.
Die zweite Gruppe bestieg einen mäßig schweren Drei- oder Viertausender.
Die dritte Gruppe wählte oft schwierige Touren – unter anderem die Überschreitung von Biancograt und Piz Bernina, die Überschreitung des Montblanc oder diejenige des Rochefortgrates im Montblancgebiet.
Waldkircher Skirennläufer
Otto Bender war ein Konditionstalent unter den Skiläufern vor dem 2. Weltkrieg. Seine Erfolge bei Langläufen konnte er immer wiederholen. Auch als älterer Sportler war er von Jüngeren bei Langlaufwettbewerben kaum zu schlagen.
Er war Gau- und Schwarzwaldmeister und lief an einem Tag auf Skiern vom Kandel zum Feldberg und am nächsten Tag wieder zurück.
Dr. Robert Vetter war in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg ein sehr bekannter Rennläufer. Er begann 1927 mit dem Skilauf und hatte 2 Jahre darauf als Langläufer und dann auch als Skispringer seine ersten Erfolge. Er wechselte dann zum alpinen Skilauf. In Cortina startete er erstmals als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Hier einige seiner Rennerfolge:
1932/33:Studentenweltmeisterschaften in St. Moritz: 3. Platz
Arlberg-Kandahar in Mürren: 10. Platz
1933/34 Corviglia-Abfahrt in St. Moritz: 1. Platz
FIS-Slalom in St. Moritz: 4. Platz
Studentenweltmeisterschaften, Abfahrt in Wengen: 2. Platz
Studentenweltmeisterschaften, Slalom in Wengen: 1. Platz
1934/35 Muottas-Muragl-Abfahrt in St. Moritz: 1. Platz (vor Helmut Lantschner)
Weltwinterspiele in St. Moritz, Slalom: 2. Platz
1935/36 Mitglied in der Olympiamannschaft
1936/37 Studentenweltmeisterschaften, Slalom in Davos: 1. Platz
Studentenweltmeisterschaften, Kombination in Davos: 1. Platz
Auch nach dem Krieg fuhr er noch bei Skirennen mit.
Seine beiden Kinder Martin und Beatrix eiferten ihrem Vater nach und brachte es ebenfalls zu beachtlichen Rennerfolgen.
Heiner Schuler aus dem Sägendobel ging als Schuhmacher nach Davos, wo er seine skifahrerischen Qualitäten perfektionierte. Er konnte bei Schwarzwaldmeisterschaften gute Erfolge erringen und wirkte als Skilehrer in Neuseeland und in den USA.
Karl-Heinz Blattmann, der von seinem Vater betreut wurde, entwickelte sich zum erfolgreichen,Jugendläufer im Skiclub Kandel und zum alpinen Spitzenläufer. Hier seine wichtigsten Erfolge:
1972: Schwarzwaldmeister im Slalom
Baden-Württembergischer Meister im Slalom
1973: Deutscher Heers-Skimeister in der alpinen Kombination
1975: Schwarzwaldmeister im Slalom
1. Platz bei Großen Kandeltorlauf
Beatrice Holder (jetzt Beatrice Hacker) war im alpinen Bereich vor wenigen Jahren ein Talent.
Si e wurde 1980 Mitglied in der Rennmannschaft des Skiverband Schwarzwald und blieb es bis zum Jahre 1988.
Sie war Teilnehmerin bei Deutschen Schülermeisterschaften, Deutschen Jugendmeisterschaften und Deutschen Meisterschaften sowie Teilnehmerin bei FIS-Rennen in Österreich, Italien und Deutschland. Hier einige ihrer Erfolge:
Sie war mehrere Male Bezirksmeisterin bei den Schülern, der Jugend und den Erwachsenen,
bei SVS-Schülermeisterschaftenerrang belegte sie im Slalom einmal den Platz 1 und zweimal den Platz 2 – im Riesenslalom einmal den Platz 2 und einmal den Platz 4;
bei SVS-Jugendmeisterschaften errang belegte sie im Riesenslalom einmal den Platz 3 und wurde einmal Meisterin,
bei den Bad.-Württ. Meisterschaften belegte sie im Slalom den Platz 2 und im Riesenslalom den Platz 3;
beim Kandeltorlauf landete sie zweimal auf den vordersten Plätzen.
Skilifte am Kandel
Für Langläufer und Tourenskiläufer dienen Anstiege zur Sportausübung. Der normale Alpinskiläufer will nur dann aufsteigen, wenn er keine andere Möglichkeit sieht, an den Start seiner Abfahrt zu gelangen.
Das hatte schon früh der Wirt des „Kurhauses Schneckenhof“ in Schollach.bemerkt. 1908 baute er den ersten „hydraulischen Aufzug für Rodler & Skiläufer“ – es war ein richtiger Skilift.
Am Fuße des Kandel, im Dettenbach, aber baute man erst im Jahre 1947 den ersten Lift. Er wurde mit einem PKW-Motor betrieben. Man konnte auch nachts bei Scheinwerferbeleuchtung skifahren. Der erste Lift auf dem Kandel kam noch später, nämlich im Jahre 1951. Er war nicht besonders komfortabel, denn man musste sich am Zugseil mit den Händen festklammern, welches nur wenigen gelang, da man den Lift am steilsten Skihang des Kandels, am Nordhang, aufgestellt hatte. Wenn es aber doch einigen gleichzeitig gelang, sich hochziehen zu lassen, so riss oft das Zugseil. Im Jahr darauf stellte man ihn um – vom steilsten an den flachsten Skihang, dem Kaibeloch.
Vor jedem Frühling wurde er ab- und vor jedem Winter wieder aufgebaut. Diese Arbeit wurde von Skiclubmitgliedern erledigt. Sie bestand beim Aufbau im Herstellen von Erdlöchern in die hölzerne Pfähle gesteckt wurden. Am oberen Ende dieser Pfähle waren kleine Rollen zu befestigen auf welche dann das Endlosseil zu legen war. Im Winter lief es in den Rollen talwärts und im Schnee bergwärts. Die Liftbenutzer mussten das bergwärts laufende Seil anheben und sich daran festhalten, was hier zwar wesentlich einfacher war als am Nordhang, aber das Seil riss auch hier und musste immer wieder gespleißt werden. Es war rau und rieb sich am rechten Skihosenbein. Die Skihosen ließen erkennen, wer am Kandel Lift gefahren war. Oft musste der Dieselmotor mit warmem Wasser, das vom Kandelbauer heranzuschleppen war, aufgewärmt werden, damit er startete.
Um mehr Komfort und eine längere Liftstrecke zu haben, kaufte der Skiclub im Jahre 1961 den ersten richtigen Skilift. Waldkircher Geschäftsleute hatten hierfür Geld gespendet. Es war ein gebrauchter Lift, der in Altglashütte gestanden hatte. Beim Abbau, Auf- und Abladen und beim Wiederaufbau mussten wiederum viele Skiclubmitglieder Hand anlegen. Der Lift stand einige Jahre an der Stelle des heutigen Kaibelochlifts. Der heutige Lift ist in Privatbesitz.
Da das Kaibeloch den besseren Skiläufern im Club aber zu flach war, hielt man Ausschau nach einem steileren Lifthang. Man fand ihn im damals noch bewaldeten Schwarzmooshang. Eine Skiliftgesellschaft wurde gegründet, der Schwarzmooshang abgeholzt, das Hangprofil begradigt und der Schwarzmooslift Ende der 60er Jahre gebaut.
Die Verkehrsmittel
Es ist nicht anzunehmen, dass die ersten Skifahrer in der Pferdekutsche auf den Kandel gefahren sind. Sie wollten sich ja sportlich betätigen und gingen deshalb zu Fuß oder auf Ski hinauf.
Die alte Kandelstraße wurde im Jahre 1913 eröffnet und die heutige Fahrstraße – auch wieder als Schotterstraße – im Jahre 1934.
Mit der zunehmenden Motorisierung kam man auf den Gedanken, das Automobil, das Motorrad und den Bus zu benutzen, um schneller auf den Kandel zu gelangen.
So bequem wie heute war es nicht. Die Fahrstraße war, wie erwähnt, nicht geteert, es gab keine Schneefräsen und keinen Streudienst. Man blieb oft unterwegs hängen oder stecken und musste den Rest des Aufstiegs dann doch per Pedes zurücklegen.
Auch die Fahrzeuge waren weit weniger komfortabel als heute. So transportierte das Unternehmen Hergfart die Skifahrer nach dem Krieg auf der offenen Pritsche eines Lastwagens hinauf, auf der Bänke aufgestellt waren. Danach bot das Transportunternehmen Fackler schon etwas mehr Komfort. Denn man saß nicht mehr im Freien, sondern in einer Art Hütte, die auf einer LKW-Ladefläche aufgestellt wurde. Diese Hütte wurde später dann vom Waldkircher Tennisclub Rot-Weiß als Clubhütte genutzt.
Man wollte nicht nur auf diese Verkehrsmittel angewiesen sein und machte sich deshalb Gedanken über den Bau einer mechanischen Aufstiegshilfe in Form einer Seilbahn oder eines Sessellifts.
Im Jahre 1931 waren es einige Waldkircher, die sich an Fasnacht Gedanken darüber machten. Sie übergaben der hochwohllöblichen Stadtverwaltung ein Sparkassenbuch über 16,13 Mark als Grundstock zu der für die Entwicklung unserer vielgeliebten Stadt unentbehrlichen Erstellung einer Seilschwebebahn auf den Kandel.
Im Jahre 1950 waren die Gedanken schon ernsthafter. Oskar Walter trug seine Pläne zum Bau eines Sessellifts vom „Hinteren Holzplatz“ zum Kandelgipfel vor. Diese Pläne waren schon so weit gediehen, dass eine Kostenschätzung über DM 150.000,00 vorlag und auch schon Förderer gefunden waren. Die „Waldkircher Nachrichten“ berichteten am 31.Oktober 1950 darüber unter der Überschrift „Ein Sessel-Schwebelift auf den Kandel? – Ingenieur Walter vom Skiclub Kandel sprach über ein interessantes Projekt.“
Allerdings blieb es bisher bei den Plänen.
Die Gastronomie am Kandel
Auch heute noch sind Kandelhotel und Kandelhof Stützpunkte für die Skisporttreibenden. Plätze, wo man Unterschlupf vor den Witterungsunbilden finden und wo man sich gemütlich zu Essen und Trinken niederlassen kann.
Früher waren diese Stützpunkte noch viel wichtiger als heute, denn wenn man einmal auf dem Kandel war, konnte man nicht so einfach und schnell wie heute wieder ins Tal gelangen. Von Samstag auf Sonntag übernachtete man deshalb hier. Am Samstag Abend hockte man zusammen, aß, trank, sang und musizierte.
In den ersten Jahren war das Kandelhotel der bevorzugte Ort – bis sich die Jungen absonderten und im Kandelhof trafen.
Das Rettungswesen am Kandel
Leider kam es bei der Ausübung des Skisports auch zu Verletzungen.
Deshalb machte man sich schon früh im Skiclub Gedanken, wie man Verletzte, die sich selbst nicht mehr fortbewegen konnten, vom Hang abtransportieren könnte, an dem sie gestürzt waren. Dazu wurden auch eigene Geräte entwickelt. Hier tat sich Ingenieur Walter hervor, der ein Universalgerät konstruierte. Dieses Gerät konnte auf Rädern fahren, auf Kufen über den Schnee gezogen und zusammengeklappt auf dem Rücken getragen werden.
Man zog damit die Verletzten vom Hang zur Fahrstraße und hinab ins Waldkircher Krankenhaus.
Johann Bernasconi war wohl das Clubmitglied, welches sich am stärksten auf dem Gebiet des Rettungswesens engagierte. Er war an so manchem Skitag mit Verletzten unterwegs nach Waldkirch und trug dann das Rettungsgerät wieder den Kandel hinauf und hoffte dabei, diese Schufterei am gleichen Tag nicht noch mehrere Male mitmachen zu müssen.
Die Skiclubmitglieder, die sich um die Verletztenbergung und –versorgung kümmerten – in erster Linie wiederum Johann Bernasconi – waren dann im Jahre 1953 Gründer der Bergwacht Ortsgruppe Waldkirch. Johann Bernasconi übernahm den Vorsitz.
Auch heute noch sind viele Mitglieder der Bergwacht auch im Skiclub aktiv.